Ausgabe 1/2021: Falkenarbeit und Corona

Liebe Genoss*innen,

wir stecken immer noch in der sogenannten dritten Welle der Pandemie – obwohl die zweite Welle eigentlich nie ganz weg war. Seit über einem Jahr ist unser Privatleben, unser Bewegungsradius, unsere gesamte verbandliche Arbeit auf ein Minimum beschränkt, während Industrie und viele Büros weiter fleißig Mehrwert produzieren. Von linken Wissenschaftler*innen,
Feuilletonist*innen und Politiker*innen gab es eine Vielzahl an Artikeln, die sich mit der generellen Verschärfung kapitalistischer Probleme in der Pandemie beschäftigen. In
der aj wollen wir eine andere Perspektive eröffnen und aus explizit jugendverbandlicher Sicht auf die momentane Situation schauen: Was macht die Pandemie mit unserer Arbeit und wie gehen wir als Falken damit um?

Wir wünschen euch viel Spaß beim
Lesen!

Eure Redaktion

Ein Blick hinter die Kulissen von WeWe

Jan: Hallo Charlotte und Hannah aus WeWe. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt, ein kurzes Interview für die Konferenzausgabe der AJ zu geben. Für mich aus der kleinen Gliederung Thüringen ist es immer schwer, mir vorzustellen, wie es bei euch ist. Ihr seid ja sehr viele Delegierte mit einem verhältnismäßig ja eher kleinen Redeanteil, während es bei uns genau anders herum ist.

Charlotte: Wir arbeiten seit den letzten BAs und Konferenzen immer daran, mehr zu sagen und finden auch, dass diesmal schon deutlich mehr gesagt haben als und sonst und hoffen, dass ihr das auch so seht. Wir sind eine sehr große Gruppe und die Absprachen sind durch das Online-Format sehr schwierig. Außerdem haben wir sehr viele Erstdelegierte dabei, von denen sich viele nicht trauen, etwas zu sagen. Das ist ja auch normal und wir kennen es alle, Erstdelegierte gewesen zu sein. Deswegen schauen wir, dass die Punkte von ihnen dann eventuell von jemandem anders gesagt werden. Generell bereiten wir einige Beiträge vor, damit nicht ständig Dinge wiederholt werden und insbesondere beim Leitantrag haben wir teilweise auch einfach ähnliche Meinungen wie der Bundesvorstand. 

Hannah: Bei den Punkten, bei denen wir anderer Meinung waren oder die wir abgelehnt haben, haben wir auch etwas gesagt und begründet, warum wir etwas nicht gut finden. Wir geben uns viel Mühe und haben eine krasse Veränderung zu der Konferenz von vor zwei Jahren hingelegt. Es haben vier / fünf Erstdelegierte von uns was gesagt und wir sind auch stolz darauf, dass wir das jetzt besser hinkriegen. In deiner Frage klang es so, als würden wir gar nichts sagen. Das sehen wir eigentlich gar nicht so. Hättet ihr das letzte Konferenz gemacht: auf jeden Fall, aber jetzt sehen wir das gar nicht so.

Jan: Ich wollte gar nicht sagen, dass ihr zu wenig gesagt habt und euch gar nicht kritisieren. Mich hat nur interessiert, wie es bei euch hinter den Kulissen aussieht, wie die Konferenz sich für euch darstellt und vor welchen Herausforderungen ihr als große Gliederung dabei steht. Sorry für die missverständliche Formulierung.

Hannah: Ich habe es tatsächlich erst als Kritik verstanden und weniger als ehrliches Interesse. Ich muss sagen, der telegram-Chat boomt, man muss sich absprechen und versuchen zu folgen. Jemand möchte was sagen, will aber vorher das „Go“ haben: „Ist das okay, kann ich das so sagen? Soll ich das vielleicht lieber nicht machen? Ich fühl mich da noch nicht so sicher.“ Durch die Distanz jetzt ist es noch schwieriger, aber auch vorher war es schwer. Da saß man in zwei Reihen mit vielen Menschen, da konnte man auch nicht mal eben so alles klären. Es ist einfach grundsätzlich schwierig, wenn man eventuell bis zu dreißig verschiedene Meinungen hat, irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Jan: Wie wichtig ist es euch, geschlossen abzustimmen?

Hannah: Wir versuchen nicht, alle die gleiche Meinung zu bekommen, das kann man ja auch gar nicht. Wir wollen aber zumindest alle Meinungen wahrnehmen. Anders als es früher vielleicht einmal war, haben wir auf jeden Fall nicht das Ziel, geschlossen abzustimmen. Wir wollen bei den Vorbesprechungen schauen, wie das Stimmungsbild so ist und wenn es andere Meinungen gibt, dann werden die auch geäußert und sind auch in Ordnung. Aber wir wollen halt drüber reden und vielleicht teilen wir die ja auch. Aber jede*r soll abstimmen, wie er oder sie das sieht bzw. wie die Untergliederung das sieht. Wir sind ja sehr viele Unterbezirke und klar sind wir für den Bezirk hier, aber man kann auch individuelle Meinungen haben.

Charlotte: Schon bei den Vorbesprechungen ist es schwierig, dass alle kommen können. Und daraus folgt auch, dass ein Konsens bei den Vorbesprechungen nicht unbedingt auch bei der Konferenz noch gilt. Bei so einer großen Menge an Delegierten ist es einfach schwierig auf einen Nenner zu kommen und deswegen müssen wir auch nicht geschlossen abstimmen.

Jan: Vielen Dank!

Bröckelnder Putz, ganz viel Grün, literweise Koffein und mobiles Wlan

Der BuKo-Satellit der Falken Niedersachsen in Bad Harzburg

Debatten werden digital verfolgt

Wir dachten, gut gewappnet für die diesjährige Bundeskonferenz gewesen zu seien: Getränke, Jonglierbälle und das Carepaket vom Bundesverband sollten uns durch das lange Wochenende bringen. Gemeinsam vom niedersächsischen Pfingstcamp aus starteten wir gemeinschaftlich, die Bezirke Hannover und Braunschweig, frisch in die Konferenz.  Wie sich jedoch bald herausstellte, wir hatten es geahnt, brauchten wir viel Geduld für gute Gespräche, einen langen Atem und literweise Koffein. Zwischen Beamer, Laptops und Mehrfachsteckdosen vertrieben wir uns die Zeit mit Diabolo, Jonglieren und regelmäßigen Besucher*innen vom Camp. Der schönst-mögliche Satellit der Buko, den wir uns in Niedersachsen hätten malen können: Verträumt, mitten in der Natur, oben auf dem Butterberg liegt das Gelände der künftigen Bildungsstätte der Falken.

Hier findet am Bundeskonferenzwochenende das Pfingstcamp der Falken Niedersachsen draußen im Grünen statt und drinnen im Haus, noch nicht fertig renoviert, befindet sich das Konferenzbüro, das für die 39.Bundeskonferenz eingerichtet ist. Von den Wänden bröckelt Putz, Internet ist nur durch den mobilen WLan-Router verfügbar, doch nach kleinen Anfangsschwierigkeiten stand und bleibt die abenteuerliche Verbindung nach Essen stabil. Während Genoss*innen Sachspenden vom SBZ péu a péu mit zwei Falkenbullis aus zwei LKW-Aufliegern die schmale, steile Auffahrt hinauffahren, diskutiert auch unsere kleine Delegation mit je 2 Delegierten aus Hannover und Braunschweig und einem Genossen aus dem Bezirk Weser-Ems, zugeschaltet über Videokonferenz, emsig die 30 Änderungsanträge, die sich zum umfangreichen Leitantrag dazugefunden haben – die Erleichterung war groß als dann endlich das Arbeitsprogramm für die nächsten 2 Jahre verabschiedet war. Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit den Genoss*innen aus dem Bundes-F-Ring das RoFa-Vernetzungsseminar unter dem Arbeitstitel „RoFa und Radikal“ mitzugestalten und auf den Weg zu bringen. Gerne auch dann mit uns als gastgebende Gliederungen im wunderschönen Bad Harzburg, wenn bis dahin das Gelände genug ausgebaut ist.

Zum Zeitpunkt des Schreibens vom kleinen Satellitenbericht scheint übrigens, Rarität an diesem Wochenende in Bad Harzburg, die untergehende Sonne durchs Fenster hinein und wir freuen uns sehr darauf noch am morgigen Montag die weiteren inhaltlichen Anträge der Gliederungen zu beraten und Beschlüsse zu finden. Wir fiebern darauf spannende, inhaltliche Diskussionen verfolgen zu können und uns gegebenenfalls zu beteiligen – falls unsere Redebeiträge noch Neues beitragen würden. Wenn für euch die Konferenz am Montag um 15:00 Uhr vorbei ist, beginnt für uns noch der Abbau des Pfingstcamps, um dann spätabends oder erst dienstags Bad Harzburg vorerst wieder zu verlassen. Doch nicht für lange Zeit! Die nächsten Wochenenden finden hier Bauwochenenden der Genoss*innen statt, irgendwann kommt das Handwerk und im Sommer hoffentlich die Zeltlager. Für die Bundeskonferenz 2023 ist Bad Harzburg zwar zu klein, doch wir hoffen euch mit Seminaren, vom Bundesverband, Landesverbänden oder einzelnen Gliederungen, bald auch hier begrüßen zu können. Mit Sachspenden, Spenden, Know-How und People-Power könnt ihr unser Riesenprojekt bereits heute schon unterstützen, mehr findet ihr hier https://www.falken-nds.de/bildungsstaette/.

Wir sind gespannt auf den letzten Konferenztag, mit inhaltlichen Debatten, jede Menge Spaß zwischendrin, Disziplin und Pleeeeeeeeenums-Musik für alle in den Pausen.

Freundschaft!

Knotzi, Paula, Janis und Henni aus Bad Harzburg

Die 6 Falken-Grundhaltungen

Gehobene Faust, gerunzelte Stirn, angespannte Körperhaltung – das Leben als Falken-Delegierte:r erfordert viel körperliches Geschick. Diese sechs Falken-Grundhaltungen helfen dir, das Leben als Genoss:in mit Bravour zu meistern.

Der Falke
Der Angriff
Die Faust
Die Speerspitze
Der Sturzflug
Der Absturz

Schlaglicht auf den Thüringer Satelliten

Die Debatte fordert ihren Tribut.

Erfurt. In der Höhle des kany, dem Ladenlokal des KV Erfurt und derzeit Stützpunkt des Thüringer Satelliten, könnte genauso gut eine LAN-Party stattfinden. Die Fenster sind abgedunkelt, Chipstüten liegen auf dem Tisch und die Delegierten hängen am Strohhalm des Bio-Tomaten-Safts. Die Stimmung ist übernächtigt. Genervte Kommentare über die Diskussionen wechseln sich ab mit kurzen Debatten über die Frage, wo Essen zu bestellen ist – wer hat Lust auf Curry?
Während sich die Diskussion über den Leitantrag ins Unendliche zieht, sind die Thüringer Delegierten im Kopf bereits einen Tagesordnungspunkt weiter. Entsprechend erfolgt die Rückmeldung an den Verband inzwischen vor allem über ein Drücken des „Schneller-Buttons“. Die Perspektive ist klar: Abstimmung über den Gesamtantrag jetzt!

Aus Mannheim in Essen dabei

Der Satellit Baden-Württemberg berichtet

Die Theke im F7 ist gut gefüllt.

Eine Bundeskonferenz während einer Pandemie durchzuführen ist noch eine größere Herausforderung als unter den normalen Belastungen des Kapitalismus. Mit dem Konzept einer hybriden Konferenz wurde von Seiten des Bundesverbands versucht auf die neue Situation eine passende Antwort zu finden. Ein Teil des Verbandes in Essen, der Rest digital zugeschaltet – nach Möglichkeit in Satelliten gemeinsam als Delegation der Bezirke/Landesverbände.
Aber wie ist dieses Konzept aufgegangen? – Ein Erfahrungsbericht aus dem LV BaWü:

Disclaimer: Wir wollen explizit keine inhaltliche Bewertung der Buko vornehmen, sondern nur einen Einblick in die Stimmung und das Konzept der Satelliten geben

Nach monatelangem mal-mehr-mal-weniger-Lockdown war es nicht nur eine schöne Nebensache, sondern schlicht eine Notwendigkeit zumindest ein paar Genoss*innen wiederzutreffen. Die Freude war dementsprechend bei uns sehr groß als wir uns Freitag zum ersten Mal getestet sahen und gemeinsam auf die Buko vorbereiteten. Im Verlauf der Konferenz wurden auch weitere Vorteile des Satelliten-Konzepts deutlich: Nachfragen konnten oft einfach innerhalb der Delegation geklärt werden und neue Entwicklungen in der Debatte schnell bewertet werden, ohne die gesamte Konferenz durch eine Unterbrechung aufzuhalten. Das und die dadurch entstehende solidarische Atmosphäre zumindest innerhalb einer Delegation hat uns sehr gefreut.
Nur positiv war es natürlich trotzdem nicht: Online-Konferenzen sind eben auch in Gruppen anstrengend genug. Bei stundenlanger Sitzung ist es klar, dass irgendwann auch die Luft raus ist und die Aufmerksamkeitsspanne abnimmt. Durch den weniger formellen Charakter der Satelliten war es auch sicher einfacher sich in Handys oder Seitengesprächen zu verlieren, als es das in irgendeiner Halle im Ruhrgebiet gewesen wäre. Dennoch blieb die Stimmung auch dank der gut gewählten Pausen und interessanten Debatten durchgängig recht positiv.
Insgesamt überwiegt bei uns sehr stark die Freude uns hier in Baden-Württemberg endlich mal wieder in Präsenz zu treffen!

Euer Feedback zur aj

Liebe Genoss*innen,

wir wollen die Möglichkeit nutzen, dass so viele Genoss*innen hier (digital) versammelt sind, um euch um euer Feedback zur aj zu bitten. Ihr helft uns damit, die aj an euren Interessen zu orientieren und sie weiterhin zu bessern. Hier geht es zur Umfrage: https://www.soscisurvey.de/aj_umfrage/

Vielen Dank für eure Unterstützung!

Keine BuKo ohne Bingo

Ihr kennt das bestimmt – manche Formulierungen werden gerne immer wieder gesagt, manche Dinge passieren bei jeder Konferenz. Welch großartige Gelegenheit für ein Bingo!

Da wir diesmal keine Zettel verteilen können, haben wir uns eine digitale Lösung einfallen lassen. Dazu klickt ihr auf folgenden Link: https://bingobaker.com/#483f83a8d1f8c981 und klickt dann auf „Generate Card“. Ihr könnt dann die Sachen abkreuzen, die gesagt wurden oder passiert sind. Wenn ihr 5 Felder waagerecht, senkrecht oder diagonal zusammen habt, habt ihr ein Bingo und damit gewonnen. Der*die Gewinner*in bekommt ein Shout-Out von der Redaktion 🙂

Also hört aufmerksam zu, wenn berichtet und diskutiert wird!